Unsere Phantasie ist ein seltsames Ding oder: Was braucht es, um die passende Wohnung zu finden?

Wohnungssuchende sind mit einem eigenartigen Phänomen konfrontiert. Sie haben grundsätzlich eine Vorstellung davon, was sie sich vom neuen Zuhause erwarten. Stehen sie dann in einer vollkommen leeren Wohnung, spielt ihnen die Phantasie einen Streich: Sie macht sich nämlich klammheimlich aus dem Staub.

Das junge sympathische Paar freut sich auf die Besichtigung. Die Wohnung hat die richtige Größe und genug Zimmer, der Balkon ist nach Südwesten ausgerichtet und die Schlafräume gehen in den Innenhof. Dieses Mal passt alles! Sie betreten den offenen Wohn-/Küchenbereich – ein Traum von einem Raum, denn er ist größer als alles, was sie bisher gesehen haben. Aber das, was folgt, ist Ratlosigkeit. Hat hier eine Kücheninsel Platz? Wo soll der Essplatz hin und wo das Sofa? Passt da unser neues Sofa rein? Oder: Passt da überhaupt irgendein Sofa rein?

Es ist verrückt und erheiternd zugleich: Völlig leere Räume wirken auf uns kleiner als sie sind. Jeder, der schon einmal ein Haus im Rohbau betreten hat, kennt dieses Phänomen: Zwei vom Grundriss idente Wohnungen wirken unterschiedlich groß, wenn eine der beiden Wohnungen noch keine Zwischenwände hat. Jene Wohnung ohne Zwischenwände wirkt erheblich kleiner – obwohl wir eigentlich das Gegenteil vermuten würden.

Genau so ist es bei einer möblierten oder womöglich noch bewohnten Wohnung: Unser Vorstellungsvermögen lässt uns im Stich. Alles erinnert an den letzten Besitzer. Wir lenken unser Augenmerk auf scheinbar Nebensächliches. Wir betrachten die Familien- und Urlaubsfotos an den Wänden. Wir sehen die verblichenen geblümten Vorhänge und dass sich der Bewohner vermutlich im Schlafzimmer die Nägel macht – in der Schale neben dem Bett liegt die Nagelfeile. Uns fällt auf, dass der Büchergeschmack nicht der unsere ist und dass das Badezimmer eine Grundreinigung gebrauchen könnte. Im Grunde alles Dinge, die rational betrachtet, nichts mit der Kaufentscheidung zu tun haben. Dennoch: Wir können uns nicht vorstellen, hier zu leben.

Der Käufer übersieht über all die Nebensächlichkeiten das Potential, das in der Wohnung steckt und was man – ist die Wohnung erst einmal frei geräumt – aus ihr machen könnte.

Die allermeisten Menschen tun sich schwer, die Vorlieben der letzten Bewohner oder deren Möblierung auszublenden und sich den Raum leer vorzustellen. Ihn dann noch im eigenen Stil eingerichtet vor dem inneren Auge zu sehen, ist eine schier unmögliche Aufgabe. Ähnlich wie bei leeren Neubauwohnungen, wo sie völlige Gestaltungsfreiheit haben. Sie sind in beiden Fällen überfordert und entscheiden oftmals, die Wohnung nicht zu nehmen.

Diese Problematik beim Verkauf einer Immobilie ruft den Home Stager auf den Plan. Der Home Stager unterstützt die Vorstellungskraft des Wohnungssuchenden und erleichtert ihm die Entscheidung.

Er verwandelt eine leere Neubauwohnung in ein wohnliches Appartement, in dem sowohl Essplatz, als auch Sofa untergebracht sind. Aus dem leeren Schlafzimmer wird ein Schlaftraum aus Kissen, Decken und Plaids und am Balkon steht der gedeckte Frühstückstisch. Der Einrichtungsstil ist der Zielgruppe entsprechend gewählt und das, was beabsichtigt ist, ist gelungen: Der Wohnungssuchende ist auf angenehme Weise überrascht. Die Wohnung macht ihm die Entscheidung leicht.

Das Gleiche gilt in Räumen, die den letzten Besitzer wiederspiegeln. Der Home Stager entfernt alles Persönliche und Überflüssige. Er nimmt weg, was ablenkt und den Raum verstellt. Er ersetzt Schweres durch Leichtes und holt Licht und Luft herein. Bestenfalls gibt er den Räumen Ihre innewohnenden Möglichkeiten und dem Wohnungssuchenden seine Entscheidungsfähigkeit zurück.

Alles schön und gut. Nur – wie finden Wohnungsuchende diese Wohnung?

Ganz einfach: durch Fotos, die die Immobilie unverwechselbar machen und dem Suchenden die Entscheidung erleichtern. Denn mal ehrlich: Könnten Sie sich nach dem Anschauen unzähliger Fotos von unzähligen Wohnungen, die allesamt leere Räume zeigen, für die Besichtigung der richtigen Wohnung entscheiden?
 
Mehr dazu in einem meiner nächsten Blogs!

Ihre Gabriele Knoll